Die verschiedenen Systemmöglichkeiten
- Erdwärmesonden
- Erdwärmesondenfelder
- Energie aus dem Grundwasser
- Geostrukturen
- Tiefe Aquifere
- Stimulierte Geothermische Systeme
Erdwärmesonden
Einzel-Erdwärmesondenanlagen stellen zur Zeit die gängigste Nutzungsart untiefer Geothermie in der Schweiz dar. Die Erdwärmesonde (EWS), ein unterirdischer Wärmetauscher. Eine Wärmesonde ermöglicht die Nutzung von Erdwärme in geringen Tiefen von etwa 50 bis 400 m.
Einmal in eine Bohrung eingebracht, bildet die EWS einen geschlossenen Kreislauf und bildet den Wärmetauscher mit dem Untergrund. Sie ermöglicht die Entnahme erneuer barer Energie aus dem Boden, der sich zunächst leicht abkühlt und sich nach einigen Jahren auf ein relativ konstantes Gleichgewicht einstellt. Die Wärmeträgerflüssigkeit, bestehend aus Wasser und Frostschutzmittel, transportiert die Energie, indem sie durch U-Rohre zirkuliert. Die Länge einer EWS ist von den Bodeneigenschaften sowie von der erforderlichen Heizleistung abhängig.
Heizen und Kühlen
Auch zum Kühlen im Sommer kann eine Erdwärmesonde eingesetzt werden, wenn eine Tiefe von etwa 200 m nicht überschritten wird. Dies bietet den doppelten Vorteil einer kombinierten Nutzung von Heizen im Winter und Kühlen im Sommer, womit ein Gebäude nach Bedarf klimatisiert werden kann. In der Praxis wird die überschüssige Energie, die bei der Kühlung der Gebäude im Sommer anfällt, in den Boden gespeichert.
Ein paar Zahlen
In der Schweiz wurden 2005 mehr als 1'100 GWh geothermischer Energie erzeugt, ein Wert, der noch weiter ansteigt. Mehr als 50 % davon stammen aus Erdwärmesondenanlagen. 2006 wurden nahezu 1'000'000 Laufmeter Erdwärmesonden abgeteuft.
Erdwärmesondenfelder
Bei grossen Gebäuden können mehrere Erdwärmesonden - sogar bis zu einigen Dutzend - auf einem Gelände eingebracht werden, um aus dem Untergrund Wärme und Kälte für das Heiz- bzw. Kühlsystem auf sehr effektive Weise zu liefern. Die gleichzeitige Nutzung mehrerer Erdwärmesonden wird als ein Erdwärmesondenfeld bezeichnet.
Ein kombiniertes System zum Heizen und Kühlen
Je tiefer man in den Untergrund vordringt, desto höher ist die Temperatur. Unterhalb von 20 m Tiefe steigt die Temperatur im Mittelland relativ gleichmässig um etwa 3° C pro 100 m. Die in der Schweiz sehr zahlreich installierten Erdwärmesonden (EWS)-Anlagen sind mehrheitlich von folgendem Typ: eine 150 m tiefe Bohrung und eine Wärmepumpe versorgen ein Einfamilienhaus mit der benötigten Wärmeenergie. Wird nun eine Serie von Erdwärmesonden zusammengeschlossen oder wird tiefer gebohrt, so kann der Wärmetauscher auf ein wesentlich grösseres Potenzial zugreifen, was die Wärmeversorgung von ganzen Häusergruppen oder von grossen Gebäuden wie Mehrfamilienhäuser, Industrie- und Verwaltungsgebäude, Hotels, Mehrzweckgebäude, usw. erlaubt. Seit einigen Jahren werden Erdwärmesondenfelder bei Heiz- oder Kühlsystemen in Industrie- und Verwaltungsgebäuden eingesetzt. Eine Serie Erdwärmesonden (4 bis 80) unterschiedlicher Tiefe (30 bis 350 m) werden unter dem zu versorgenden Gebäude oder unmittelbar daneben erstellt. Dabei werden die Leitungen der einzelnen Sonden bei einer oder mehreren Wärmepumpen zusammengeführt. Wird die Anlage auch zur Kühlung im Sommer verwendet, so dürfen die Bohrungen höchstens 250 m tief sein, um eine zu hohe Untergrundtemperatur zu vermeiden. Die Wirkungsweise der Anlage basiert auf einem Jahreszyklus, bei dem während der Heizperiode dem Untergrund Wärme (Kälteeintrag in den Untergrund) und während der Kühlperiode Kälte (Wärmeeintrag) entzogen wird. Ein zusätzlich installierter Heizkessel wird dabei nur während der Zwischenperioden und bei Reparaturarbeiten gebraucht.
Geostrukturen
Bei Gebäuden, die Fundationspfähle benötigen, ist es möglich, die Pfähle mit Wärmetauschern auszustatten. Diese werden dadurch zu energetischen Geostrukturen und ermöglichen eine Versorgung mit Wärme im Winter und Kälte im Sommer.
Wärme und Kälte unter dem Gebäude
Geostrukturen sind Konstruktionen im Boden oder in Kontakt mit ihm. Hauptsächlich sind es Pfähle, Wände und Bodenplatten, die benötigt werden, um eine ausreichende Tragfähigkeit und Stabilität des Untergrundes zu erreichen. Geostrukturen sind meistens aus Beton, mit oder ohne Armierung, gefertigt. Die Wärmeleitfähigkeit und die Speicherkapazität des Betons machen aus ihm ein ideales Material für die Absorption von Wärme. Zudem ist die Bodentemperatur in einigen Metern Tiefe (15-20 m) konstant (9 –11° C im hiesigen Klima). Dieses Temperaturniveau kann im Sommer zum Kühlen und im Winter zum Heizen verwendet werden. Die zur Abstützung und Gebäudegründung benötigten Geostrukturen jeder Grössenordnung lassen sich mit Wärmetauschern ausrüsten. Die mit dem Untergrund in Kontakt stehenden Betonpfähle und -wände werden dabei mit Kunststoffrohren versehen, um Wärme oder Kälte mit dem Untergrund auszutauschen. Diese Rohre werden gebündelt einer oder mehreren Wärmepumpen zugeführt. Die Wirkungsweise der Anlage basiert auf einem Jahreszyklus, bei dem während der Heizperiode dem Untergrund Wärme (Kälteeintrag in den Untergrund) und während der Kühlperiode Kälte (Wärmeeintrag in den Untergrund) entzogen wird. Die installierte Wärmeleistung bewegt sich zwischen einigen kW bis gegen 1'000 kW. Die Vorteile einer solchen Anlage äussern sich in den reduzierten Betriebskosten aufgrund des Wegfalls von fossilen Brennstoffen (ca. 80%) und in einer Verminderung der CO2-Emission (45% bis 100%).
Energie aus dem Grundwasser
Insbesondere in Gebieten, in denen der Grundwasserspiegel nahe der Erdoberfläche liegt, wird eine Nutzung der darin enthaltenen Energie interessant - gerade, weil dort die Temperatur im Laufe eines Jahres konstant bleibt.
Grundwasser: kaum genutzter Wärmepool. Die grossen Grundwasservorkommen der Schweiz befinden sich vorwiegend im Vorland der Alpen, also im Mittelland und den inneralpinen Tälern, wie z.B. dem Rhône- oder dem Vorderrheintal. Diese Täler sind grösstenteils mit gut durchlässigen Schottern verfüllt, in denen sich das von den Höhenlagen abfliessende Meteorwasser ansammelt und entlang der grossen Flusssysteme entwässert. Die Schotterfüllungen erreichen Mächtigkeiten von bis zu 60 m. Sie sind in ihren tieferen Teilen grundwassergesättigt. Nicht selten können so Grundwassermächtigkeiten von 30 bis 40 m erreicht werden. Die saisonal nur wenig variierenden Grundwassertemperaturen liegen im Mittelland zwischen 10 und 12°C, in den alpinen Tälern rund 2°C tiefer. Dieser konstante Wärmepool eignet sich somit hervorragend für die Beheizung von Gebäuden. Es ist jedoch zu beachten, dass das Grundwasser durch die Anlage nicht verschmutzt wird und sich die natürliche saisonale Grundwassertemperatur unter Einbezug sämtlicher im betrachteten Grundwassergebiet installierten Anlagen nicht mehr als 3°C verändert. Für die allenfalls notwendigen Bewilligungen zur Grundwasser- Wärmenutzung sind die jeweiligen kantonalen Behörden zuständig.
Prinzip der Grundwasserwärmenutzung
Das in der Tiefe liegende Grundwasser wird durch eine Bohrung erschlossen und mittels einer Unterwasserpumpe zur Heizanlage befördert. Hier erfolgt mit Hilfe einer Wärmepumpe ein Wärmeentzug, wodurch die benötigten Vorlauftemperaturen des Heizsystems erreicht werden können. Das abgekühlte Grundwasser wird in der Folge über einen Rückgabebrunnen in den Grundwasserkörper zurückgegeben. Dort wo die durchlässigen Schotter schon unmittelbar unter der Oberfläche beginnen, kann der Rückgabebrunnen als einfacher Baggerschacht realisiert werden. Bei der Grundwasserentnahme- und Rückgabestelle muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Entnahmestelle im Anstrom- und die Rückgabestelle im Abstrombereich des Grundwassers liegt, da sonst eine kontinuierliche Abkühlung des Grundwassers erfolgen würde.
Tiefe Aquifere
Wenn Grundwasser in einer Tiefe von 1 bis 3 km vorhanden ist, kann es sich lohnen, die Wärme daraus direkt zu nutzen. Falls die Temperatur 100° C erreicht oder überschreitet, besteht sogar die Möglichkeit, Strom zu erzeugen! Die Erfassung und Nutzung tiefer Aquifere zur direkten Wärmegewinnung für städtische Fernwärmenetze begann in Europa in den 70er Jahren, wobei in Frankreich der stärkste Aufschwung dieser Geothermienutzung zu verzeichnen war. In den anderen die Schweiz umgebenden Ländern finden sich zahlreiche Anlagen in Deutschland, sowie ein paar in Österreich und Italien. In Regionen mit normalem geothermischen Gradienten, etwa 30 °C/km, wie es im Schweizer Mittelland der Fall ist, ist die Temperatur in den tiefen Aquifere etwa 40 °C in 1km Tiefe bis zu etwa 70 °C in 2 km Tiefe. Ist das Tiefenwasser nur leicht mineralisiert (weniger als 2 g/l) und besteht die Möglichkeit, das nach dem Wärmeentzug abgekühlte Wasser in einen Vorfluter – Fluss oder See – oder einen Kanal abzuleiten, dann genügt eine einzige Förderbohrung, eine sogenannte Singlette. Sollte das Tiefenwasser aber einen Mineralgehalt von über 2 g/l aufweisen, muss mit Hilfe einer zweiten Bohrung das abgekühlte Wasser zurück in den Untergrund verpresst werden (Dublette). Gefördert durch eine Bohr-Risikogarantie des Bundes, wurden in den Jahren 1987 bis 1998 12 geothermische Tiefbohrungen in der Schweiz abgeteuft. Insgesamt gab es fünf Erfolge, einen Teilerfolg und sechs Misserfolge im Sinne der Risikogarantie – das heisst «trockene» Bohrungen oder zu geringe Wasserförderung. Eine Bohrung von den sechs Misserfolgen konnte dennoch einer geothermischen Nutzung zugeführt werden: die Bohrung in Weissbad (Appenzell) als «tiefe» Erdwärmesonde ausgebaut. Bei den erfolgreich verlaufenen Tiefbohrungen steht die energetisch sinnvolle Nutzung im Vordergrund. Bei der Thermalwasserversorgung für Heilbäder sollte zum Beispiel nach dem «Kaskadenprinzip» vorgegangen werden. Nach Verwendung für den eigentlichen Badebetrieb sind (mit abnehmenden Temperaturen) auch die Kuranlagen selbst und, in einem letzten Schritt, Treibhäuser zu beheizen, wie z.B. im aargauischen Schinznach Bad.
Stimulierte Geothermische Systeme
Ein wichtiger, zeitgemässer Einsatzbereich der Geothermie liegt in der Produktion elektrischer Energie, auf der Basis von tiefliegenden Geothermiequellen – 4 bis 6 km – in einer stabilen kontinentalen Umgebung.
Wärmeentnahme aus dem Kristallin
In einigen Tausend Metern Tiefe sind Temperaturen vorhanden, die mit einem künstlich geschaffenen Wasserkreislauf an die Erdoberfläche gebracht zur Strom- und Wärmeproduktion genutzt werden können. In Mitteleuropa erreicht man in vier bis sechs Kilometer Tiefe kristallines Gestein (Grundgebirge), das Temperaturen um 200° C aufweist. Mit dem «Stimulierten Geothermischen System (SGS)» (Enhanced Geothermal System – EGS) kann die Energie genutzt werden, indem man mit Bohrungen in diese Gesteinsschicht vordringt, mit hohem Druck eine Klüftung erzeugt und anschliessend über eine zweite Bohrung eine Wasserzirkulation in Gang setzt. An der Erdoberfläche wird die gewonnene Energie über Wärmetauscher zur Stromerzeugung und Wärmeproduktion eingesetzt. Mit dieser Technologie wird es möglich sein, Strom als Bandenergie zu erzeugen und kontinuierlich Wärme bereitzustellen.
Geologische Eignung findet sich vielerorts
Das grosse Interesse an der SGS-Technologie beruht zum einen auf der Tatsache, dass sie an den meisten Standorten mit kristallinem Gestein in höchstens 6 km Tiefe angewandt werden kann, und zum andern auf dem Vorzug einer CO2- freien Produktion von Strom aus erneuerbarer Energie, also nachströmender Erdwärme. Zahlreiche Regionen der Schweiz sind aus geologischer Sicht für solch eine Anlage geeignet. Für die Wirtschaftlichkeit einer SGS-Anlage ist jedoch aus heutiger Sicht neben der Stromproduktion auch der Verkauf der Überschusswärme wesentlich. Ein entsprechend grosser Wärmeabnehmer, wie z.B. ein Fernwärmenetz muss also in der Nähe vorhanden oder geplant sein. Mit dem auch als Hot-Fractured-Rock-Verfahren bezeichneten System setzt man zunächst das angebohrte Kristallingestein mit Wasser unter Druck und versucht damit, die vorhandenen Schwachstellen und Haarrisse oder Klüfte aufzupressen. Weil das Gestein unter Spannung steht, erfolgt nun eine geringfügige Verschiebung der unregelmässigen Kluftflächen, so dass eine bleibende Öffnung resultiert. Mit dieser Stimulation ist es möglich, dass das Gestein wasserdurchlässig wird – ein Durchlauferhitzer wurde geschaffen.
Quelle: geothermie.ch
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